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Mittwoch, 27. Juni 2012

Die Kirche lieben

Leitartikel von P. Bernhard Speringer ORC im St. Josephsblatt Nr. 10/11 2012
online erschienen auf kath.net: Die Kirche lieben






Es war Christus, der die Kirche gegründet hat – und nicht, wie moderne Exegeten behaupten, „die Urgemeinde“. Die Kirche ist nicht einfach ein Produkt aus dem Wunsch der Gläubigen, damit die „Sache Jesu“ weitergehe. So sagt der Katechismus der katholischen Kirche (KKK) unter Nummer 765:
Der Herr Jesus gab der Kirche eine Struktur, die bis zur Vollendung des Reiches bleiben wird. An erster Stelle steht die Wahl der Zwölf mit Petrus als ihrem Haupt [Vgl. Mk 3,14-15]. Sie repräsentieren die zwölf Stämme Israels [Vgl. Mt 19,28;Lk 22,30] und sind somit die Grundsteine des neuen Jerusalem [Vgl. Offb 21,12-14]. Die Zwölf [Vgl. Mk 6,7] und die weiteren Jünger [Vgl. Lk 10,1-2] haben an der Sendung Christi, an seiner Gewalt, aber auch an seinem Schicksal teil [Vgl. Mt 10,25; Joh 15,20]. Durch alle diese Akte gründet Christus die Kirche und baut sie auf.
Deshalb kann man sagen: ohne Christus gäbe es keine Kirche. Aber genau so: Ohne Kirche haben wir keinen Zugang zu Christus. Tragische ist, dass genau diese Mentalität, nämlich zu glauben, wir brauchen die Kirche nicht, bei den Gläubigen um sich gegriffen hat und viele meinen, der Glaube an Gott oder an „irgendwas wird’s schon geben“ genügt und ich brauche oder will die Kirche nicht. Gott ja, Kirche nein – das ist so wie wen man sagen würde: Mozart ja – seine Musik nein. So hat es Altbischof Stecher von Innsbruck einmal prägnant formuliert. Warum ist das heute so? Ich denke, weil viele, einschließlich Priester und Gottgeweihte, nicht wissen, was die Kirche eigentlich und wirklich ist. Der KKK stellt es unter Nr. 770 und 771 ganz klar:
Die Kirche steht in der Geschichte, gleichzeitig aber auch über ihr. Nur „mit den Augen des Glaubens“ (Catech. R. 1,10, 20) vermag man in ihrer sichtbaren Wirklichkeit auch eine geistige Wirklichkeit wahrzunehmen, die Trägerin göttlichen Lebens ist.
Der einzige Mittler Christus hat seine heilige Kirche, die Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, hier auf Erden als sichtbares Gefüge verfasst und erhält sie als solches unablässig.
Die „Eigentümlichkeit [der Kirche] ist es, zugleich menschlich und göttlich zu sein, sichtbar mit Unsichtbarem ausgestattet, glühend im Handeln und frei für die Betrachtung, in der Welt gegenwärtig und doch unterwegs; und zwar so, dass in ihr das, was menschlich ist, auf das Göttliche hingeordnet und ihm untergeordnet wird, was sichtbar ist, auf das Unsichtbare, was zur Tätigkeit gehört, auf die Betrachtung, was gegenwärtig ist, auf die künftige Stadt, die wir suchen“ (SC 2).
Der hl. Bernhard von Clairvaux schreibt über die Kirche:
„Welche Niedrigkeit! Welche Erhabenheit! Ein Gezelt Kedars und ein Heiligtum Gottes, eine irdische Wohnstätte und ein himmlischer Palast, Lehmhütte und Königsburg, Leib des Todes und Tempel des Lichtes, der Abscheu der Stolzen und die Braut des Herrn ! Schwarz ist sie und doch schön, ihr Töchter Jerusalems! Ob die Mühsal und der Schmerz der langen Verbannung sie auch entstellen, so schmückt sie dennoch himmlische Schönheit“ (Cant. 27,14)
“Christus hat die Kirche geliebt.“ (Eph 5,25) Dieser Satz hat die hl. Katharina von Siena so erstaunt und auch erfreut, dass sie folgende Betrachtung darüber schrieb:
»O unbeschreibliche Liebe, obwohl du in deinem Licht alle Frevel sahst, die die Kirche gegen deine grenzenlose Güte verüben würde, tatest du beinahe so, als sähest du nicht, sondern ließest dein Auge auf der Schönheit deines Geschöpfes ruhen, in das du dich, wie närrisch und trunken vor Liebe, verliebtest; und aus Liebe brachtest du es aus dir hervor und schenktest ihm ein Wesen nach deinem Bild und Gleichnis.« (Le Orazioni, Rom 1978, IV (18. Februar 1379), V. 95-108, S. 44-46.)
Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben, damit sie »ohne Makel« sei, und die Kirche wäre ohne Makel, wenn sie uns nicht hätte! Sie hätte eine Falte weniger, wenn ich eine Sünde weniger begangen hätte.

Als Martin Luther dem Erasmus von Rotterdam vorwarf, dass er trotz der »Korruption« der katholischen Kirche in ihr verblieb, antwortete ihm dieser:
„Ich ertrage diese Kirche in der Erwartung, dass sie sich bessert, denn auch sie ist gezwungen, mich zu ertragen in der Erwartung, dass ich mich bessere.“ (Erasmus von Rotterdam, Hyperaspistae Diatribes, I, i (Opera omnia, Bd. 10, Leiden 1706, Sp. 1258)
Wir alle müssen Christus um Verzeihung bitten für die vielen unbedachten Urteile und die vielen Beleidigungen, die wir seiner Braut - und folglich ihm selbst - zugefügt haben. Versucht wir einmal, einem wirklich verliebten Mann zu sagen, seine Braut sei hässlich oder ein Taugenichts, und wir werden sehen, dass man ihn kaum schlimmer beleidigen könnte. In diesem Sinne sagt der KKK (769):
„Die Kirche . . . wird erst in der himmlischen Herrlichkeit vollendet werden“ (LG 48), bei der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit. Bis dahin „schreitet die Kirche auf ihrer Pilgerschaft dahin zwischen Verfolgungen der Welt und Tröstungen Gottes“ (hl. Augustinus, civ. 18, 51)
Antoine de Saint-Exupery schreibt in einem dunklen Moment in der Geschichte Frankreichs während des 2. Weltkrieges über sein Heimatland:
„Da ich einer von ihnen bin, werde ich die Meinen nicht verleugnen, was immer sie auch tun mögen. Ich werde mich vor Fremden nicht gegen sie äußern. Wenn es möglich ist, sie zu verteidigen, werde ich es tun. Wenn sie mich mit Schande bedecken, werde ich diese Schande in meinem Herzen verbergen und schweigen. Was auch immer ich dann über sie denken mag, nie werde ich als Belastungszeuge dienen. Ein Ehemann geht nicht selbst von Haus zu Haus, um die Nachbarn zu informieren, dass seine Frau eine Dirne ist: Auf solche Weise würde er seine Ehre nicht retten. Da die Frau zu seinem Haus gehört, kann er keinen guten Eindruck machen, indem er sich gegen sie stellt. Er wird vielmehr erst dann, wenn er wieder zu Hause ist, seinem Zorn Luft machen.« (Pilote de guerre [Flug nach Arras], Kap. 24. 72)
Und der päpstliche Hausprediger R. Cantalamessa sagte in einem Vortrag vor dem Papst:
„Erst wenn du zuerst einmal mit der Kirche geweint und dich unter ihren Füßen gedemütigt hast, dann kann Gott dir wie schon anderen in der Vergangenheit befehlen, die Stimme gegen die Plagen der Kirche zu erheben. Jedoch nicht vorher.“
Da erhebt sich die Frage: Was ist die Kirche für mich? Fühle ich mich als Glied der Kirche und bin ich mir bewusst, dass meine Talente durch die Taufe der ganzen Kirche zu Gute kommen, dass aber auch meine Sünden die Kirche verwunden? Und: Ist die Kirche wirklich für mich Mutter?

Die Aussage des hl. Cyprian ist bekannt:
»Man kann nicht Gott zum Vater haben, wenn man nicht die Kirche zur Mutter hat.« (Über die Einheit der Kirche, 6)

Schließen wir uns dem glühenden Gebet an, mit dem die hl. Katharina alle, die die Kirche lieben, einlädt, eine Stützmauer des Gebetes rings um die Mauer der Kirche zu bilden:
„O mildeste Liebe, du sahst in dir die Not der heiligen Kirche und die Abhilfe, die sie braucht, und du hast sie ihr gegeben, nämlich das Gebet deiner Diener, von denen du willst, dass sie zu einer Mauer werden, welche die Mauer der heiligen Kirche stützt, und denen die Gnade deines Heiligen Geistes den brennenden Wunsch nach einer Erneuerung der Kirche einflößt“ (Le Orazioni, Rom 1978, VII (20. Februar 1379), V. 30-35)
In Zusammenhang mit ihrem täglichen Gang nach Sankt Peter hatte sie an ihren Beichtvater geschrieben: »Mein Leben siecht tropfenweise dahin für diese geliebte Braut.« Sie sah ihr Leben als eine Form des Martyriums für die Kirche. „Lasst uns den Herrn, unseren Gott lieben; lasst uns seine Kirche lieben… Wir wollen Ihn lieben als unseren Vater und sie als unsere Mutter.“ (Hl. Augustinus). „Wo die Kirche, da ist auch der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes, dort ist die Kirche und alle Gnade“ (hl. Irenäus, hær. 3, 24, 1).

«Ex maculatis immaculata – aus Makelhaftem ist sie makellos»: ein Ausdruck, mit dem die Kirchenväter die Kirche beschrieben. Aus Sündern gebildet ist sie dennoch heilig. «Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben», schreibt der heilige Paulus in seinem Brief an die Epheser (5,25). Christus hat die Kirche gewissermaßen «gesund geliebt» (P. Raniero Cantalamessa), er hat sie geheilt durch seine Liebe und deshalb ist sie heilig, ja unzerstörbar heilig, weil seine Liebe unzerstörbar ist.

Wenn man begreifen will, warum die Kirche heilig ist, dann geht das nur durch die Liebe. Nur die Liebe kann begreifen, warum trotz aller Fehler und mit allen Fehlern diese Kirche heilig ist. Weil er sie liebt, weil er sie mit den Augen der Liebe sieht, und deshalb sieht er an ihr durch alles Unvollkommene hindurch auf ihre Schönheit, sie ist ja seine Kirche. Sie ist aber auch meine Kirche und als solche meine Mutter. Sind wir uns dessen immer bewusst? Lieben wir die Kirche wie eine Mutter?

Möge Maria, Urbild und Mutter der Kirche, uns helfen, die Kirche immer mehr als «Braut Christi» (Eph 5,31), als «Leib Christi» (ebd.) zu erkennen und zu lieben.

Mittwoch, 14. September 2011

Ist die Kirche tolerant?










Original von P. Bernhard Speringer ORC erschien im "Schweizerisch Katholischen Sonntagsblatt" (SKS, Goldach) und auf www.kath.net .

In den letzten Wochen haben katholische Medien zunehmend besorgniserregende Beiträge gebracht. Über einen deutschen Politiker, der laut darüber nachdenkt, das Beichtgeheimnis in Gerichtsverfahren aufzuheben. Über einen anglikanischen Bischof, der zu einer enormen Geldbusse verurteilt wurde, weil er keinen Homosexellen in den diözesanen Dienst aufnehmen konnte (wobei die Homosexualität nicht einmal der Grund für die Ablehnung war). Über den neuen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, der mit seinen Aussagen die leidige Zölibatsdiskussion wieder entfachte. Und was erwartet man von den Medien? Toleranz!
Es gibt heute nichts Wichtigeres, dass man von der Kirche und ihren Vertreten sagen können muss, als dass sie tolerant sind. Ein toleranter Bischof, oder ein Priester, der sehr tolerant ist... In der heutigen Gesellschaft scheint das das größte Kompliment zu sein. Dabei ist Toleranz eher eine neuere „Tugend“. Toleranz ist im menschlichen Zusammenleben zugegebenermaßen absolut notwendig und wichtig. Gerade in einer globalisierten und multikulturellen Welt und Gesellschaft sind Toleranz und gegenseitige Achtung das Fundament für ein friedliches Zusammenleben.

Heutzutage hat die „Tugend der Toleranz“ jedoch gewissermaßen alle anderen Tugenden überflügelt. Die Toleranz ist in aller Munde. Nur hat das Wort Toleranz eher den Sinn erhalten: alles gelten lassen, alles widerspruchslos akzeptieren. Das Gegenstück der Toleranz, die Intoleranz, wurde zu einem der schlimmsten Vorwürfe, die man jemandem machen kann. Wie sieht die Toleranz aus christlicher Sicht aus?

War Jesus tolerant?


Schon bald nach der Geburt Jesu, bei Seiner Darstellung im Tempel, wird über ihn das prophetische Wort gesprochen: ,,Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.“ (Lk 2,34) Wir wissen, wie bald sich der Widerspruch gegen Christus regte...
Jesus, der die größten Sünder an- und aufnimmt, kann auch sehr intolerant sein. Beim Ruf zur Nachfolge toleriert er nicht einmal, dass der Gerufene noch zum Begräbnis seines Vaters geht! Wenn wir den Herrn beobachten in Seinem Verhalten gegenüber den Schriftgelehrten und Pharisäern und ihrer Verschlagenheit, dann ist da ein anderer Ton zu hören. Er, der die Armen achtmal selig preist, schleudert jenen das ,Weh euch!’ entgegen.
Oder denken wir an das „Evangelium von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel“.. Nach dem Evangelist Johannes geschah diese Episode gleich zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Es war wahrscheinlich das erste öffentliche Auftreten Jesu in Jerusalem.

Der Tempel war im Volk Israel mehr als nur ein Gebäude. Der Tempel war der Ort der Gegenwart Gottes, der Ort des Gebetes und des Gottesdienstes. Aber so wie heute gab es auch schon damals das Phänomen, dass man überall dort, wo sich viele Menschen versammeln, versucht, Geschäfte und Profit zu machen. Denken wir nur an unsere Wallfahrtsorte, die manchmal richtig umzingelt sind von Devotionalienläden.
Im Palästina zur Zeit Jesu musste jeder Mann ab dem 20. Lebensjahr eine Tempelsteuer entrichten, die eine Doppeldrachme betrug, also ungefähr zwei Tageslöhne eines Arbeiters. Diese Steuer konnte aber nicht in der üblichen römischen Währung (Besatzungsmacht!) bezahlt werden, sondern nur mit althebräischen Münzen. Deshalb gab es Geldwechsler vor dem Tempel, die mit der Zeit immer mehr innerhalb der Tempelanlage ihre Tische aufstellten.
Ebenso die Verkäufer. Zu gewissen Festen waren vom Gesetz auch Tier- und Speiseopfer vorgeschrieben. Deshalb machten die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben ihr Geschäft im Tempel. Man kann sich also lebhaft vorstellen, dass es im Tempel eher wie in einer Markthalle zuging, als wie in einem Haus des Gebetes.
Auf diesem Hintergrund ist die Reaktion Jesu verständlich. Es heißt im Matthäusevangelium: „Jesus ging in den Tempel und trieb alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und sagte: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle.“ (Mt 21,12-13)
Man hat aus dem Haus Gottes, aus dem Haus „des Vaters“, eine Markthalle gemacht. Man dachte mehr an den eigenen Profit als an den Gottesdienst. Jesus, der Sohn Gottes, konnte ein solches Verhalten nicht tolerieren. Wenn man diese Episode im Leben Jesu betrachtet, mag man sich die Frage stellen: War Jesus tolerant? Die Antwort ist nicht ganz einfach.
Jesus kann auch unerbittlich sein, wenn es um den Glauben geht, zum Beispiel um den Glauben an die Eucharistie. Er besteht auf dem wortwörtlichen Glauben: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, mein Blut ist wirklich ein Trank ... Wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht esst und Sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch...“ (Joh 6,53.55).
Und als ihn die Zwölf erschrocken und wohl verständnislos anstarren, lenkt er nicht ein, sondern stellt ihnen die Frage: „Wollt auch ihr weggehen?“ Man könnte noch viele Stellen anführen, wo Jesus eher intolerant scheint. Nämlich intolerant dort, wo es um die Ehre Gottes geht, um Wahrheit oder Lüge. Ja, für die Wahrheit geht Jesus sogar in den Tod.

Toleranz – ein Frage der Liebe und der Wahrheit

Der heilige Augustinus hat einmal eine sehr schöne Regel aufgestellt, die zu allen Zeiten gültig ist. Er sagte sinngemäß: Wir sollen den Sünder lieben, aber die Sünde hassen. Wir sollen den, der auf Abwege geraten ist lieben, aber nicht die Abwege. Die Toleranz im christlichen Sinn ist deshalb immer eine Frage der Liebe.
Die Liebe duldet nicht die Lüge, denn dann wäre sie keine Liebe. Wenn jemand auf dem falschen Weg ist, ist es eine Frage der Liebe, ihn zur Umkehr zu bewegen, und keine Frage der Toleranz, ihn ins Verderben laufen zu lassen. Man kann zum Beispiel nicht tolerieren, dass jemand beim Schifahren in einen gefährlichen Lawinenhang einfährt und damit sich selbst und auch andere gefährdet. Das ist keine echte Toleranz.
Nicht anders ist es auch in Glaubensfragen, in Fragen der Ethik und Moral. Heutzutage toleriert man einfach alles und man fordert diese nicht in der Wahrheit stehende Toleranz genauso von der Kirche, von den Bischöfen, Priestern und von den Gläubigen. Im Namen einer falschen Toleranz geschehen die infamsten Schmähungen Gottes in der Kunst oder in den Medien. Für jede Perversion hat man Verständnis und fordert dafür Freiheit und Toleranz.

Ist die Kirche tolerant?

Eine solche falsche Toleranz kann es selbst in der Kirche geben: Bischöfe „tolerieren“ verschiedenste Ehrfurchtslosigkeiten in den Kirchen und in der Liturgie, ein großer Teil der Katholiken „toleriert“ sogar Abtreibung, Euthanasie. Immer wieder wird der Kirche vorgeworfen, sie sei zu intolerant gegenüber gewissen gesellschaftlichen Veränderungen.
Aber es ist keine Frage der Toleranz, wenn die Kirche sich gegen Irrtümer wendet. Es ist eine Frage der Wahrheit und der Liebe. Und so muss man der Kirche, dem Papst, den Bischöfen und jedem einzelnen Christen auch erlauben, wenn es notwendig ist warnend aufzutreten und Grenzen aufzuzeigen, ohne gleich als intolerant oder „ewig-gestrig“ eingestuft zu werden.
Als vor einigen Jahren die Senatsperiode in Kansas/USA eröffnet wurde, hat das Parlament den Pastor Joe Wright für die Eröffnungsrede eingeladen, und er sprach folgendes Gebet, das weltweit sehr viel Aufsehen erregt hat: 

„Vater..., dein Wort sagt: Wehe jenen, die das Böse gut nennen. Doch gerade das haben wir getan. Wir haben unser geistiges Gleichgewicht verloren und die Werte auf den Kopf gestellt. Wir haben die absolute Wahrheit Deines Wortes lächerlich gemacht und das Pluralismus genannt; haben die Armen ausgebeutet und es Wirtschaft genannt, haben die Faulheit belohnt und es Soziale Wohlfahrt genannt; haben unsere Ungeborenen umgebracht und es Wahlfreiheit genannt, haben unseren Kindern keine Disziplin beigebracht und es Aufbau des Selbstwertes genannt, haben Macht missbraucht und es Politik genannt, haben das Eigentum unseres Nachbarn begehrt und es Ehrgeiz genannt; wir haben die Luft mit Lügen verschmutzt und es Freiheit der Meinungsäußerung genannt; haben die zeitlosen Werte lächerlich gemacht und es Aufklärung genannt. Durchforsche uns, o Gott, und erkenne unsere Herzen. Reinige uns und mach uns frei.“ 

Joe Wright bekam 5.000 Anrufe – nur 47 waren negativ... Bitten wir den Herrn, dass wir immer zwischen wahrer und falscher Toleranz unterscheiden können und dass all unser Tun und Denken von der Liebe beseelt wird.